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Sich steigern zu können, macht lebendig. Sich steigern zu müssen, krank. Wer dauernd erfährt, dass seine Leistung oder sein Engagement, seine Bedürfnisse und nicht zuletzt die eigene Person kaum genügen, hat Grund zu verzweifeln. Auch wenn tief im Menschen angelegt ist, dass er stets mehr sein will und sein muss, als er ist, um das zu sein, was er ist, überfordert uns der Zwang, pausenlos voranzukommen. Das Wachstum, das individuelle wie gesellschaftliche, das wirtschaftliche und das des Wissens, hat Grenzen. Aber wo liegen sie? Hörten wir zu früh auf, verzichteten wir auf Entwicklungschancen. Da wäre der Preis für eine augenblicklich grössere Lebensqualität der Verlust des Fortschritts im Ganzen. Wer aber bestimmt, was maßlos genannt zu werden verdient? Und wie unterscheidet man Trägheit von Weisheit, Mut von Größenwahn? Die Steigerungsspiele halten uns im Griff. Doch alles kommt darauf an, dass uns die Steigerungsspiralen nicht gefangen nehmen. Manchmal ahnen wir, es könnten in der schönsten Wachstumsphantasie auch die Bedingungen angelegt sein zu scheitern und dass es in vielem einen versteckten Vorrang des Lassens vor dem Tun gibt. Es ist Gnade, sein Glück nicht im Superlativ suchen zu müssen.