Gäste:
Prof. Dr. Wolfgang Huber,
Ehemaliger Bischof von Berlin-Brandenburg und früherer Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche Deutschlands
Prof. Dr. Paul Kirchhof,
Bundesverfassungsrichter a. D., Direktor des Instituts für Finanz- und Steuerrecht, Universität Heidelberg
Moderation:
Gundula Gause,
ZDF heute journal
So schnell kann Vertrauen gar nicht nachwachsen, wie es in den vergangenen Jahren politisch und klerikal in großem Stil mürbe gemacht worden ist. Allenfalls ein hartnäckiger Entschluss, sich trotz allem zu verlassen, vermag etwas dem Erosionsprozess entgegenzuhalten, der in beiden Institutionen seit längerem schon eingesetzt hat. Was dabei nicht die Folge einer geschichtlichen Übergangsphase ist, eines Wandels zu einem neuen Weltverständnis hin, das leisten sie schon selbst durch Skandale oder Ratlosigkeit, Wirrwarr und Desorientiertheit. Gerade in einer Zeit, in der wir Staat und Kirche besonders brauchten als letzte Instanzen von Klarheit und Mut, geben sie Anlass, nicht auf sie zu setzen. In der Welt des Handelns übernimmt die Institution die Rolle zu entlasten. Was aber, wenn das Entlastende selber zur Belastung wird? Nur über die Anerkennung als Einrichtung von schönster Selbstverständlichkeit kann die Institution ihre Aufgabe leistungsfähig übernehmen. Institutionen leben davon, dass sie sich zeigen, aber nicht unausgesetzt durchsetzen müssen. Und sie sterben, wenn sie ihre Genügsamkeit in der Andeutung verlieren, weil sie dauernd auf die Probe gestellt werden. Der Kernsatz einer Institution lautet: Nimm dich nicht wichtig. Denn im Zusammenleben gilt, dass die Brüchigkeit des Selbstverständlichen nicht der Anfang vom Ende ist, sondern das Ende selbst.




